Risiko – Dein Freund und Feind zugleich

Christian Geldanlage Leave a Comment

Nur 13,8 Prozent der Deutschen (Quelle: Deutsches Aktieninstitut) investieren in Aktien. Und der Rest hat einfach ein nicht ganz richtiges Verständnis von „Risiko“. Das würde ich behaupten.

Auf dieser Seite versuche ich dir den Begriff „Risiko“ aus ökonomischer Perspektive näherzubringen:

  1. Wie entsteht ein Aktienkurs?
  2. Was ist Risiko?
  3. Risiko ist nicht gleich Verlust
  4. Es gibt gute und schlechte Risiken
  5. Fazit: Risiko und die langfristige Renditeerwartung sind Zwillinge
Kurz und knapp

Du musst diese Seite nicht komplett durchlesen. Eigentlich steht hier nur, dass du keine Angst haben und langfristig einen Teil deiner Geldanlage in Aktien investieren solltest. Denn du erstens hast du keine andere Wahl und zweitens ist es auch ganz sachlich schon immer die beste Entscheidung gewesen. Wenn du es richtig (intelligent) anstellst.

Wie entsteht ein Aktienkurs?

Der Aktienkurs eines Unternehmens ist rein mathematisch gesehen die Summe der abdiskontierten, zukünftig erwarteten Erträge eines Unternehmens. Irgendjemand (ein sogenannter Analyst) schaut also in eine Glaskugel und versucht die Zukunft vorherzusagen, um diese dann auf den heutigen Tag zurück zu rechnen. Was jetzt etwas belustigend klingt, soll es wirklich nur teilweise sein. Denn diese Arbeit bildet die wesentliche Grundlage für das Entstehen von Aktienmärkten und handelbaren Unternehmenswerten. Das Problem ist eben nur, das die Zukunft immer unsicher ist und deshalb die Erwartungen selten genauso eintreffen. Wenn man dann noch psychologische Faktoren wie z.B. Euphorie und Angst vernachlässigt, kann man vereinfacht sagen: So entsteht ein Aktienkurs, saber unter Unsicherheit.

Was ist Risiko?

Am Finanzmarkt tummeln sich tausende dieser Analysten, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als die Zukunftsaussichten von Unternehmen zu bewerten. Und wer schon einmal die DAX-Prognosen von gestandenen Chefvolkswirten (=Oberchefhellseher) großer Banken oder Fondsgesellschaften gehört hat, wird sich über die Schwankungsbreite der Vorhersagen gewundert haben. Denn jeder kocht hier sein eigenes Süppchen und hat letztendlich andere Erwartungen an die Zukunft. Risiko bedeutet in diesem Zusammenhang also nicht, dass wir notwendigerweise etwas verlieren. Risiko ist in dieser Hinsicht eine Maßeinheit für die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Analyst irrt. Das ist für den einzelnen gesehen ziemlich wahrscheinlich, kann aber sowohl eine positive wie auch eine negative Abweichung sein.

Risiko ist nicht gleich Verlust

Wenn mir ein Kunde in einer Beratung gegenüber sitzt, ist es die größte Herausforderung für mich, den Begriff „Risiko“ für mein Gegenüber ins rechte Licht zu rücken. „Ich will aber nichts verlieren!“ Diese oder andere Formulierungen dieser Art bekomme ich häufig zu hören.

Ich fange dann mit den oben genannten Fragen und Erklärungen an und bringe dazu ein Beispiel.

Wie viel Zinsen müssen wir beiden für den gleichen Kredit bezahlen?

Ich gehe zur Bank und frage nach einem Kredit über 100.000 Euro, habe aber nur geringe Sicherheiten (Acker im Wert von 20.000 Euro). Der Banker mustert denn Fall und schickt mich nicht weg. Da ich aber nur geringe Sicherheiten habe, muss ich einen Zins von 10 Prozent bezahlen. Nun gehst du zur gleichen Bank und benötigst ebenfalls 100.000 Euro Kredit, hast als Sicherheit aber ein Haus im Wert von 400.000 Euro zu bieten. Der Banker ist nun erfreut und bietet dir einen Kreditzins von 3 Prozent. In deinem Fall ist es für den Banker viel wahrscheinlicher, dass er sein Geld auch wieder zurück bekommt.

Dieses ist zugegeben ein sehr vereinfachtes Beispiel und trifft heute auch so nicht mehr in der Realität zu (für alle Banker, die gerade einen dicken Hals bekommen). Es illustriert aber generell sehr gut das Grundprinzip von Kosten für Investitionen in Abhängigkeit zur Wahrscheinlichkeit, dass der Banker sein Geld wieder zurück bekommt. Die Sicherheit also hat, sein Geld wieder zu sein.

Es ist unstrittig, dass Unternehmen mit den höchsten zukünftigen Unsicherheiten zu kämpfen haben. Und deshalb müssen diese ihren Investoren auch die höchsten Zinsen zahlen.

Es gibt gute und schlechte Risiken

Wenn es um das Thema „Risiko“ bei Finanzanlagen geht müssen wir zusätzlich zwischen guten und schlechten Risiken unterscheiden. Gute Risiken sind die Risiken, die nicht vermeidbar sind, die sogenannten systematischen Risiken. Sie sind deshalb gut, weil für sie die oben genannte Prämie bezahlt wird.

Weiterhin gibt es aber auch schlechte (unsystematische) Risiken. Diese Risiken kann jeder Anleger vermeiden, und deshalb wird für sie auch keine Prämie (Zins) bezahlt. Unsystematische Risiken sind Einzelrisiken, die so außergewöhnlich sind, das sie bei Eintreten zu hohen Schwankungen führen.

Beispiel: Wir nehmen mal an, Mercedes Benz ist ein Unternehmen mit ausgezeichneten Zukunftsaussichten. Alle sagen das und es spricht objektiv auch nichts dagegen. Leider wird ein wichtiges Werk in den USA von einem fürchterlichen Hurrikan völlig verwüstet. Die Produktion für eine wichtige Modellreihe steht still für 6 Monate. Egal wie realistisch die Aussichten auch waren, dieses Ereignis wird sich für längere Zeit auf den Aktienkurs auswirken. Dieses Risiko könnte dadurch verringert werden, in dem man nicht nur Mercedes Benz als Aktie erwirbt, sondern alle wichtige Autobauer ebenfalls. Denn auch dieses ist eine Erfahrung aus der Wissenschaft. Die Kursverläufe von ähnlichen Unternehmen ähneln sich auch sehr stark (Ausnahmen ausgenommen, aber das sind wieder die unsystematischen Risiken).

Fazit

Aktien haben das höchste Risiko, langfristig aber auch die höchste erwartete Rendite.

Generell kann man sagen: Je höher das Risiko, desto höher sind die erwarteten langfristigen Renditen. Und umgekehrt! Deshalb passt das Bild von den Zwillingen auch sehr gut.

Und die Diskussion „Soll ich Aktien überhaupt kaufen?“ kann man sich schon deshalb sparen, weil es uns aktuelle an Alternativen mangelt.

Was man allerdings bedenken sollte: möglichst intelligent in Aktien zu investieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*